IBM vor Beginn einer neuen Ära – Ausstieg aus der Chip-Fertigung?

Gepostet am Jul 7, 2014

(IT-Times) – Der US-Technologiekonzern IBM steht möglicherweise vor einem Wendepunkt. Der IT-Dienstleister hat in den vergangenen acht Quartalen einen Umsatzrückgang ausweisen müssen. Grund für das schwache Wachstum sind nicht nur langsamer wachsende IT-Ausgaben, sondern auch Probleme im chinesischen Markt und im Hardware- und Halbleitersegment.

Bereits im dritten Quartal 2013 hat das schwache China-Geschäft die IBM-Geschäftszahlen negativ beeinträchtigt, auch im ersten Quartal 2014 brachen die China-Erlöse bei IBM um 20 Prozent ein. Marktbeobachter und Anleger warten daher gespannt auf die Zahlen des zweiten Quartals, inwieweit IBM den Abwärtstrend in China stoppen konnte.

China setzt auf Hardware lokaler Anbieter
Der Grund für die Misere in China liegt offenbar darin, dass sich immer mehr chinesische Kunden von teurer Hardware von US-Firmen wie IBM, Oracle und EMC abwenden und stattdessen auf kostengünstigere Hardware von Huawei Technology und anderen lokalen Anbietern setzen, so die Nachrichtenagentur Caixin Online. Der NSA-Überwachungsskandal dürfte diesen Trend noch verstärken. Auch gehen chinesische Internetfirmen wie Alibaba dazu über, eigene Datenzentren und Server Racks zu entwickeln, um sich mehr Unabhängigkeit zu verschaffen.

Zwar scheint diese Entwicklung ein schleichender Prozess, der jedoch auf lange Sicht amerikanische IT-Anbieter wie IBM (NYSE: IBM, WKN: 851399) negativ beeinträchtigt, müssen diese langfristig mit sinkenden wiederkehrenden Umsätzen (Service- und Software) rechnen.

Hardware: China gibt grünes Licht für Server-Deal mit Lenovo
Investoren zweifeln daher, ob es IBM gelingen wird, trotz sinkender Einnahmen das Gewinnziel von 18 Dollar je Aktie im laufenden Jahr zu erfüllen. Das Hardware-Geschäft gilt nach wie vor als Knackpunkt bei IBM, schrumpfte das Geschäft im ersten Quartal 2014 um 23 Prozent.

Um sich in diesem Bereich besser aufzustellen, will IBM sein x86 Server Geschäft an die chinesische Lenovo verkaufen. Die chinesischen Regulierungsbehörden haben bereits zugestimmt, das OK der amerikanischen Behörden steht noch aus. Das x86 Server Geschäft könnte aber nicht das einzige Geschäft bleiben, das IBM in diesem Jahr verkaufen wird.

Halbleiterfertigung steht auf den Prüfstand
Wie die USA Today berichtet, soll auch das Geschäft mit der Herstellung von Halbleitern auf dem Prüfstand stehen. IBM könnte dieses Geschäft an einen bestehenden Partner wie GlobalFoundries verkaufen, heißt es.

Überraschend käme ein Verkauf nicht, ist die Chip-Entwicklung sehr kostenintensiv. Gleichzeitig entwickelten sich die IBM-Umsätze aus diesem Geschäft in den letzten Jahren rückläufig. Setzte IBM in diesem Bereich in 2011 noch 2,7 Mrd. Dollar um, schrumpften die Erlöse in 2013 auf 2,03 Mrd. Dollar, weiß IC Insights Analyst Rob Lineback.

Sollte IBM tatsächlich aus dem Geschäft mit der Chipfertigung aussteigen, würde der letzte große Computerspezialist dieser Industrie den Rücken kehren und damit eine neue Ära einläuten.

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