
Bei vielen Verbrauchern füllen Versicherungsunterlagen ganze Aktenordner. Versicherungs-Apps versprechen einen besseren Überblick.
Die Versicherungsunterlagen füllen ganze Aktenordner, längst haben Sie den Überblick über Hausrat-, Haftpflicht-, Unfall- und Kfz-Versicherungen verloren? Dann geht es Ihnen wie so vielen Versicherten in Deutschland. Junge Firmen wie GetSafe, Knip und Clark wollen das ganz schnell ändern.
Bessere Übersicht durch Apps?
Die Start-ups haben kostenlose Apps entwickelt, mit denen Kunden ihre Versicherungen bequem auf dem Smartphone verwalten. Zudem bieten die Newcomer an, den Versicherungsschutz zu optimieren und auch Schadensfälle über die App abzuwickeln. ?Es gibt keine Büro- und Wohnzimmertermine und auch keine schweren Aktenordner mehr?, verspricht Geschäftsführer Christian Wiens von GetSafe. Vor allem für junge Kunden klingen solche Angebote sehr verlockend. So schreibt Alexander Stupp auf der Facebook-Seite von GetSafe: ?Genial. Für mich ist die App unverzichtbar geworden.? Doch traditionelle Versicherungsvermittler werfen den Start-ups vor, dass die Werbung für eine Versicherungs-Verwaltung per App nur ein Deckmantel ist. Hinter den Kulissen ist ein erbitterter Kampf um Kunden und Provisionen entbrannt.
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Start-ups sind Versicherungsmakler
Denn tatsächlich sind die Start-ups im Handelsregister als Versicherungsmakler eingetragen. Ein Kunde, der seine Versicherungen per App verwalten will, muss Anbietern wie GetSafe, Clark oder Knip zunächst das Maklermandat übertragen. Das heißt: Er überträgt seine kompletten Versicherungen mit persönlichen Daten wie Wohnort, Einkommen und Familienstand von seinem bisherigen Versicherungsvertreter auf eine neue Firma. ?Dadurch wird ein bereits bestehender Vertrag mit dem Makler vor Ort aufgehoben?, erklärt Rechtsanwalt Michael Friedmann von 123recht.net. Auch im Schadensfall ist der bisherige Ansprechpartner nicht mehr zuständig, doch das ist vielen Kunden offenbar nicht klar. Antje Novak beklagt sich auf der Facebook-Seite von GetSafe: ?Ich war total erschrocken, als mein Versicherungsvertreter nachgefragt hat, warum ich einen Wechsel in Auftrag gegeben habe. Ich hatte gedacht, dass diese App einfach meine Versicherungen auflistet.?
Anpassung auf Kundenwunsch
Mit dem Maklermandat erhalten die Start-ups aber nicht nur den Auftrag, bestehende Versicherungen zu verwalten, sondern auch diese Verträge zu prüfen, gegebenenfalls die Deckungssumme anzupassen oder neue Versicherungen für den Kunden abzuschließen. ?Für Kunden hat das Maklermandat keine negativen Auswirkungen, sie behalten die volle Kontrolle?, versucht Christian Wiens von GetSafe zu beruhigen. Änderungen würden nur durchgeführt, wenn der Kunde dazu den Auftrag gegeben habe. Ähnlich argumentieren auch die beiden Konkurrenten.
Das müssen Sie über Versicherungs-Apps wissen
Digital hat seinen Preis
Doch Rechtsanwalt Michael Friedmann warnt: ?Es liegt im Interesse dieser Firmen, neue Verträge abzuschließen. Denn wie die traditionellen Makler erhalten die Start-ups von den Versicherern wie Allianz Provisionen für die Verwaltung bestehender Policen und für den Abschluss neuer Verträge. Wer seine Versicherungen also lieber platzsparend in einer App statt im Aktenordner verwalten will, sollte bedenken, dass die Nutzung dieser Apps alles andere als kostenlos ist: Der Kunde bezahlt mit seinen Daten und muss zudem die Beziehung zu seinem bisherigen Kundenbetreuer aufgeben.